„Zehn Jahre Salon Diplomatique“

Westhofen. Es gibt Orte, an denen Zeit für einen Moment langsamer zu vergehen scheint. Gut Leben am Morstein ist ein solcher Ort. Zwischen Weinreben, historischem Hof und dem Blick über die rheinhessische Landschaft feierte der Salon Diplomatique sein inzwischen traditionelles Sommerfest – in diesem Jahr mit einem besonderen Anlass: Der Verein blickte auf sein zehnjähriges Bestehen zurück.

Dass sich der Festtag mit der Grundsteinlegung des Mannheimer Nationaltheaters überschnitt, ließ sich nicht vermeiden. So war der Kreis der Gäste kleiner als in den Vorjahren – der Atmosphäre tat dies keinen Abbruch. Im Gegenteil: Die Veranstaltung gewann dadurch beinahe den Charakter eines Salongesprächs im ursprünglichen Sinne – persönlich, nahbar und von intensiven Begegnungen geprägt.

Den Auftakt an diesem Tag machte der Vorsitzende des Salon Diplomatique, Helmut Augustin, der seine Gäste auf eine Reise durch zehn Jahre Vereinsgeschichte mitnahm.

Im Mittelpunkt seiner Ansprache stand dabei die Idee, die den Salon seit seiner Gründung trägt: Menschen unterschiedlicher Nationen, Kulturen und Professionen miteinander ins Gespräch zu bringen und dadurch Verständnis, Vertrauen und Freundschaften entstehen zu lassen.

Augustin erinnerte zunächst an die Gründung des Vereins im März 2016. Aus einer Initiative des französischen Honorarkonsuls Folker R. Zöller entstand damals ein Forum, das sich innerhalb weniger Jahre weit über die Metropolregion Rhein-Neckar hinaus einen Namen machte. Botschafter, Generalkonsuln, Minister, Wissenschaftler, Unternehmer und Kulturschaffende fanden seither den Weg nach Mannheim und in den Salon Diplomatique.

Augustin nutzte das Jubiläum auch dazu, denjenigen zu danken, die den Verein über ein Jahrzehnt hinweg getragen haben. Sein besonderer Dank galt Mitgründer Folker R. Zöller, dessen Idee den Grundstein für den Salon legte, ebenso wie dem langjährigen stellvertretenden Vorsitzenden Claudius Kranz, Honorarkonsul der Republik Italien Dr. Jürgen Kütemeyer, sowie den weiteren Mitgliedern des Vorstands deren Arbeit den Verein bis heute prägt.

Der Rückblick auf die vergangenen zehn Jahre machte deutlich, wie außergewöhnlich das Veranstaltungsprogramm des Salons gewesen ist. Zahlreiche Botschafter aus Europa, Asien, Afrika und Amerika waren zu Gast. Französische, italienische, indische oder kroatische Diplomaten diskutierten ebenso über internationale Politik wie Vertreter aus Montenegro, Paraguay, Namibia oder Kasachstan. Hinzu kamen Wirtschaftsdelegationen, kulturelle Veranstaltungen und internationale Begegnungen, die vielfach weit über den eigentlichen Veranstaltungstag hinausreichten.

Besonders eindrucksvoll schilderte Augustin jene Momente, in denen aus offiziellen Begegnungen persönliche Freundschaften entstanden. Nicht selten entwickelte sich aus einem Vortrag oder einem gemeinsamen Abendessen ein dauerhaftes Netzwerk gegenseitigen Vertrauens – genau jenes Kapital, das klassische Diplomatie häufig erst möglich macht.

Einen besonderen Platz nahm in seiner Rede das Friedensprojekt „PAPER BOMB“ der Künstlerin Nessi Nezilla ein. Augustin erinnerte an die inzwischen an mehreren europäischen Erinnerungsorten errichteten Skulpturen, unter anderem in Tulle, am Hartmannswillerkopf, in Oradour-sur-Glane, Mannheim und Marzabotto. Sie stehen als künstlerische Mahnmale gegen Krieg und Gewalt und zugleich für Versöhnung und die deutsch-französische Freundschaft. Dass hierfür erhebliche Spendengelder eingeworben werden konnten, ohne die Mitglieder finanziell zusätzlich zu belasten, wertete Augustin als besonderen Erfolg des Vereins und seiner Unterstützer.

Den persönlichen Erinnerungen und der Würdigung des bislang Erreichten folgte die Festrede des Mannheimer Oberbürgermeisters und Ehrengastes Christian Specht, der das Wirken des Salon Diplomatique aus der Perspektive kommunaler Außenbeziehungen und internationaler Vernetzung würdigte.

„Kaum eine Vereinsgründung der vergangenen zehn Jahre hat das internationale Profil Mannheims so nachhaltig gestärkt wie der Salon Diplomatique“

Specht würdigte die Leistungen des Vereins und seiner Gründer. Was vor zehn Jahren mit einer Idee begonnen habe, ist heute ein bedeutendes Netzwerk internationaler Beziehungen geworden. Dutzende Botschafterinnen und Botschafter haben Mannheim durch den Salon kennengelernt, zahlreiche diplomatische Kontakte sind entstanden und gepflegt worden. Besonders hob Specht die Rolle des französischen Honorarkonsuls Folker R. Zöller hervor, dessen Initiative den Grundstein für den Verein gelegt hat und der sich mit seinem Engagement bleibende Verdienste um die deutsch-französische Freundschaft erworben habe.

Dabei beließ es der Oberbürgermeister nicht bei einem Rückblick und erläuterte eindrucksvoll, weshalb internationale Beziehungen heute keine freiwillige Zugabe kommunaler Politik mehr seien, sondern ein zentraler Standortfaktor. Mannheim sei längst eine internationale Stadt. Ein erheblicher Teil der industriellen Wertschöpfung entstehe im Ausland, Unternehmen aus aller Welt investierten am Standort, internationale Studierende prägten die Universität und globale Lieferketten beeinflussten unmittelbar die wirtschaftliche Entwicklung der Region.

Vor diesem Hintergrund entwickelte Specht das Leitbild einer modernen Städtediplomatie. Städte seien heute längst nicht mehr nur Verwalter lokaler Angelegenheiten. Sie verträten ihre Interessen auf europäischer Ebene, arbeiteten mit internationalen Organisationen zusammen und knüpften Partnerschaften weit über nationale Grenzen hinaus. Internationale Kontakte seien deshalb keine bloße Repräsentation, sondern konkrete Standortpolitik.

Mit zahlreichen Beispielen zeigte Specht auf, wie europäische Zusammenarbeit, internationale Netzwerke und kommunale Außenbeziehungen unmittelbar den Bürgerinnen und Bürgern sowie den Unternehmen zugutekämen – sei es durch Förderprogramme, wirtschaftliche Kooperationen, Wissensaustausch oder gemeinsame Projekte in Krisenzeiten. Gerade hierin, so seine Überzeugung, ergänzten sich die Arbeit der Stadt Mannheim und das Wirken des Salon Diplomatique in bemerkenswerter Weise. Beide bauten Brücken, schafften Vertrauen und eröffneten Räume für Dialog. So wurde aus der Festrede ein Plädoyer für internationale Offenheit, kommunale Verantwortung und die Überzeugung, dass Verständigung stets bei persönlichen Begegnungen beginnt.

Zum Abschluss seiner Festrede überreichte Oberbürgermeister Christian Specht dem Vorstand des Salon Diplomatique ein besonderes Geschenk der Stadt Mannheim: eine sorgfältig zusammengestellte Auswahl aus den Einträgen jener 44 Botschafterinnen und Botschafter, die sich anlässlich ihrer Besuche beim Salon Diplomatique im Goldenen Buch der Stadt Mannheim verewigt haben. Es war ein symbolischer Moment, der die enge Verbundenheit zwischen Stadt und Verein zum Ausdruck brachte.

Nach der Fragerunde klang der Vormittag bei einem gemeinsamen Mittagessen im Weingarten aus. Zwischen den Tischen wurde weiter diskutiert, gelacht und neue Kontakte wurden geknüpft – ganz so, wie es dem Selbstverständnis des Salon Diplomatique entspricht.