Fake News – Wem können wir noch glauben? / Ausstellungseröffnung „INVASION“

 

Als der Salon Diplomatique e.V. gemeinsam mit den Reiss-Engelhorn-Museen und dem MANNHEIMER MORGEN am 26. Januar 2026 zur Abendveranstaltung „Fake News – Wem können wir noch glauben? Zwischen Desinformation, Vertrauenskrise und der Suche nach Wahrheit“ einlud, stand von Beginn an ein zentrales Anliegen im Raum: Räume zu schaffen, in denen gesellschaftliche Herausforderungen nicht nur beschrieben, sondern gemeinsam durchdacht werden.

Kunst als Sprache des Diskurses

Am 26. Januar 2026 luden der Salon Diplomatique e.V., die Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim und der MANNHEIMER MORGEN zu einer außergewöhnlichen Abendveranstaltung ein:

„Fake News – Wem können wir noch glauben? Zwischen Desinformation, Vertrauenskrise und der Suche nach Wahrheit.“

In den eindrucksvollen Räumen des Zeughaus begegneten sich Kunst und gesellschaftlicher Diskurs vor rund 180 Gästen aus Politik, Gesellschaft und Wissenschaft sowie Diplomatie und Kultur. Gemeinsames Ziel war es, einen der drängendsten Fragen unserer Zeit nachzugehen: Wie navigieren wir zwischen Lügen, Gerüchten und wahrer Information in einer Welt, die zunehmend von digitaler Desinformation geprägt ist?

Den Auftakt hierfür bildete die Eröffnung der Installation „INVASION“ der Künstlerin Nessi Nezilla. Direkt im Atrium des Museums formierten sich 1001 Ameisen zu einem kraftvollen Sinnbild für Manipulation und kollektive Dynamiken des digitalen Zeitalters. Was auf den ersten Blick filigran wirkt, trägt Sprengkraft in sich: Die skulpturalen Insekten bestehen aus Patronenhülsen – ein bewusstes Bild für die explosive Wirkung gezielter Desinformation. Was zunächst also wie eine natürliche, beinahe vertraute Ordnung wirkt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als beunruhigendes Szenario: Jede einzelne Figur trägt das Material der Gewalt in sich. Die Ameise – Symbol für Fleiß, Gemeinschaft und scheinbar harmlose Kollektivität – wird so bei Nezilla zum Sinnbild für jene unsichtbaren Heere aus Informationen, die sich im digitalen Raum formieren.

Für den Salon Diplomatique ist diese künstlerische Auseinandersetzung Teil eines längeren Weges. Bereits bei der Friedensskulptur PAPERBOMB, deren Realisierung der Salon gänzlich durch Spenden ermöglichte, wurde deutlich, wie Kunst Debatten anstoßen und Bewusstsein schärfen kann. Salonpräsident Helmut Augustin erinnerte daran, dass die Beschäftigung mit Fake News aus dieser Arbeit erwachsen sei: „Der Salon möchte Themen sichtbar machen, die unsere demokratische Kultur herausfordern – und Kunst ist dabei ein kraftvoller Partner. Mit INVASION setzen wir die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema Fake News fort, die bereits in der Zusammenarbeit rund um die Friedensskulptur PAPERBOMB entstanden ist.“ (https://salondiplomatique.de/paperbomb-in-strassburg/).

Museen sind Ort der Glaubwürdigkeit

Die Reiss-Engelhorn-Museen erwiesen sich an diesem Abend als ein besonders passender Ort für den Diskurs. „Museen sind Orte der Glaubwürdigkeit“ betonte Wilfried Rosendahl, Generaldirektor der Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim. Gerade weil Museen als vertrauenswürdige Orte gelten, sei es von besonderer Bedeutung, hier eine Auseinandersetzung über Wahrheit und Fiktion im digitalen Zeitalter zu führen. Er verfolgt die künstlerische Arbeit Nezillas seit längerem und war von der neuen Installation sofort fasziniert. Ein besonderer Dank galt dabei auch dem Salon, explizit Folker R. Zöller, Honorarkonsul Frankreichs, der das gemeinsame Projekt entscheidend initiiert und maßgeblich vorangetrieben und forciert hatte.

Der Diskurs im Zentrum

 

Im Anschluss an die Kunstpräsentation folgte der inhaltliche Kern des Abends: die Podiumsdiskussion zum Thema „Fake News – Wem können wir noch glauben?“. Moderiert wurde der Diskurs von Miriam Scharlibbe, Chefredakteurin des MANNHEIMER MORGEN. Mit Moritz Dickermann (Stern), Prof. Dr. Derya Gür-Seker (Hochschule Bonn-Rhein-Sieg) und Sarah Pohl (Zebra-Beratungsstelle für Weltanschauungsfragen) kamen Perspektiven aus Journalismus, Wissenschaft und gesellschaftlicher Praxis zusammen.

In lebendigen Beiträgen wurden die Facetten von Fake News beleuchtet: von den Mechanismen der Verbreitung über die Herausforderungen für den klassischen Journalismus bis hin zu den persönlichen Auswirkungen, wenn Verschwörungserzählungen Familien spalten und demokratische Diskurse vergiften. Besonders deutlich wurde, wie stark junge Menschen über Plattformen wie TikTok mit Desinformation in Kontakt kommen – und wie wichtig Medienkompetenz in dieser Lebenswelt ist. Gleichzeitig zeigten die Gespräche einen Hoffnungsschimmer: Das Vertrauen in wissenschaftliche Erkenntnisse und faktenbasierte Information bleibt ein stabiler Anker in Zeiten der Vertrauenskrise. Am Ende stand eine gemeinsame Forderung, die der Salon Diplomatique ausdrücklich teilt: Medienkompetenz muss Teil der Bildung werden, wenn Demokratie wehrhaft bleiben soll.

Begegnung als Kern der Salon-Idee

Beim anschließenden Get-together im Foyer des Florian-Waldeck-Saals setzte sich fort, was der Salon Diplomatique seit seiner Gründung verkörpert: Gespräch auf Augenhöhe, über institutionelle und nationale Grenzen hinweg. Künstlerinnen, Journalistinnen, Diplomaten, Studierende und Bürger kamen ins Gespräch – genau jene Vielfalt, die der Salon als Quelle von Verständigung begreift.

 

 

Ein Beitrag von bleibender Bedeutung

„Wem können wir noch glauben?“ – diese Frage stand am Anfang des Abends und sie blieb bewusst offen. Doch eines wurde deutlich: Vertrauen entsteht dort, wo Dialog ermöglicht wird. Der Salon Diplomatique hat mit dieser Veranstaltung erneut gezeigt, dass er mehr ist als Gastgeber – er ist Impulsgeber, Ermöglicher und Brückenbauer. So schloss der Abend dort, wo er begonnen hatte – bei der Verantwortung jedes Einzelnen, Wahrheit nicht passiv zu erwarten, sondern aktiv zu suchen.