
„Indien ist nicht bloß eine ferne Chance – Indien ist eine gegenwärtige Realität“
Unter dem Leitgedanken „Indien ist nicht bloß eine ferne Chance – Indien ist eine gegenwärtige Realität“ durfte der Salon Diplomatique e.V. mit dem Besuch Seiner Exzellenz Ajit Gupte, Botschafter der Republik Indien in Deutschland, vom 11. bis 12. Mai 2026 zwei außergewöhnliche Tage erleben, die die strategische Bedeutung der deutsch-indischen Beziehungen eindrucksvoll sichtbar machten.
Bereits die Atmosphäre dieses Besuchs erinnerte an jene klassische europäische Salonkultur, der sich der Salon Diplomatique e.V. seit seiner Gründung verpflichtet fühlt – eine Kultur des geistigen Austauschs, der persönlichen Begegnung und der diplomatischen Zwischentöne. Nicht das Protokoll stand im Mittelpunkt dieser Tage, sondern der Dialog; Nicht die bloße Repräsentation, sondern die Verbindung von Menschen, Institutionen und Ideen.
Ganz diesem Gedanken folgend war auch das Programm des Besuchs gestaltet. Die Stationen führten S. E. Ajit Gupte nicht allein zu wirtschaftlichen Schwergewichten der Metropolregion Rhein-Neckar, sondern zugleich zu Orten wissenschaftlicher Exzellenz, technologischer Innovation und gesellschaftlicher Begegnung. So entwickelte sich sein Aufenthalt zu einem facettenreichen Austausch über die wachsende Rolle Indiens in der globalen Wirtschaft.
Zu Gast am Fraunhofer IPA Mannheim
Den Auftakt des Besuchsprogramms bildete der Aufenthalt von S. E. Ajit Gupte am Fraunhofer IPA Mannheim. Der Botschafter zeigte sich dabei beeindruckt von den innovativen Forschungsprojekten und den modernen Gesundheitstechnologien des Instituts. Während seines einstündigen Aufenthaltes erhielt er Einblicke in aktuelle Entwicklungen im Bereich medizinischer Robotik, Digitalisierung und klinischer Assistenzsysteme. Gemeinsam mit Helmut Augustin, Präsident des Salon Diplomatique, Folker R. Zöller, Honorarkonsul Frankreichs, sowie Prof. Dr. Barbara Niersbach, Prorektorin der Hochschule Ravensburg-Weingarten, wurde der Botschafter von Prof. Dr. Urs Schneider, der die Forschungsschwerpunkte sowie die enge Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Medizin und Industrie erläuterte, durch das Institut geführt. Der Besuch unterstrich die internationale Bedeutung des Standorts Mannheim als Zentrum für moderne Gesundheits- und Medizintechnologien.
Besuch bei der IHK Rhein Neckar in Mannheim
Im Anschluss setzte der Botschafter seine Gespräche bei der Industrie- und Handelskammer Rhein-Neckar fort, wo er von IHK-Präsident Manfred Schnabel sowie dem Kompetenzzentrum Indien empfangen wurde.
Im Mittelpunkt der Gespräche standen die wirtschaftliche Dynamik des indischen Marktes, die Zukunft globaler Lieferketten und die Frage, wie Unternehmen der Metropolregion ihre Präsenz in Indien weiter ausbauen können. Gerade für exportorientierte mittelständische Unternehmen aus Baden-Württemberg gewinnt Indien zunehmend strategische Bedeutung – nicht nur als Absatzmarkt, sondern auch als Innovations- und Produktionsstandort, betonte Manfred Schnabel.
Dass S.E. seinen Besuch bewusst mit einem intensiven Austausch in der Wirtschaft begann, war dabei kein Zufall. Indien versteht sich heute als Partner industrieller Transformation. Dies spiegelte sich später auch in der Rede des Botschafters wider, als er darauf hinwies, dass sich die deutsch-indischen Wirtschaftsbeziehungen „von handels- zu investitions- und innovationsgetrieben“ wandelten. Besonders die Unternehmen der Metropolregion Rhein-Neckar – geprägt von Maschinenbau, Chemie, Automobilindustrie und industrieller Forschung – stehen dabei zunehmend im Fokus.
Deutsch-Indischer Dialog
Beim anschließenden Mittagessen im kleineren Kreis, das in der stilvollen Atmosphäre des GANUSH stattfand, wurde dieser Austausch vertieft. Vertreter aus Wirtschaft und Politik kamen mit dem Botschafter zusammen, darunter Mannheims Oberbürgermeister Christian Specht, IHK-Präsident Manfred Schnabel, Mitglieder des konsularischen Corps, so der Generalkonsul der Republik Kroatien Ivan Sablić, der Honorarkonsul Frankreichs Folker R. Zöller, der Honorarkonsul Italiens Dr. Jürgen Kütemeyer, sowie führende Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Kultur, darunter die Rektorin der Technischen Hochschule Mannheim, Prof. Dr. Angelika Altmann-Dieses, der Universitätsdekan Joachim Lutz sowie Prof. Dr. Alfried Wieczorek als prägende Persönlichkeit des kulturellen Lebens der Metropolregion.
Diese Zusammensetzung der Runde spiegelte das wider, was Helmut Augustin, Präsident des Salon Diplomatique e.V., besonders hervorhob:
„Diese Stärken ergänzen sich in besonderer Weise“
Mit diesem Satz brachte Helmut Augustin den Grundgedanken des Abends prägnant auf den Punkt.
In seiner Begrüßung beschrieb er Indien als „eine der bedeutendsten Wirtschafts- und Innovationsnationen der Welt“. Deutschland wiederum stehe für „industrielle Stärke und technologische Exzellenz“; entscheidend sei jedoch, dass sich diese Kompetenzen „in besonderer Weise ergänzen“. Er verwies auf deutsche Unternehmen wie Siemens, Bosch, Volkswagen, BASF oder SAP, die seit Jahren in Indien investieren, dort Produktionsstandorte und Forschungszentren aufbauen und langfristige Ausbildungsprogramme etablieren. Zugleich hob er hervor, wie selbstverständlich indische Technologieunternehmen inzwischen Teil der deutschen Wirtschaftsrealität geworden sind: Tata Consultancy Services, Infosys Germany, Wipro Technologies oder HCLTech unterstützten heute zahlreiche deutsche Industrie- und Mittelstandsunternehmen bei Digitalisierung, Cloud-Lösungen, künstlicher Intelligenz und Cybersecurity.
„Die Verbindungen zwischen unseren Gesellschaften und Volkswirtschaften werden noch enger werden.“
Damit führte Oberbürgermeister Christian Specht diesen Gedanken auf kommunaler Perspektive fort. Besonders eindrucksvoll war seine Beschreibung der wachsenden indischen Gemeinschaft in Mannheim. Deren Zahl habe sich innerhalb von zehn Jahren vervierfacht; heute leben fast 3.800 Menschen mit indischen Wurzeln in der Stadt. Specht zeichnete dabei das Bild einer Stadt, in der sich internationale Partnerschaften längst konkret im Alltag widerspiegeln – in Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen ebenso wie im kulturellen Leben. Er verwies auf die Bedeutung indischer Fachkräfte für die regionale Wirtschaft, auf Kooperationen Mannheimer Hochschulen mit indischen Universitäten sowie auf Veranstaltungen wie Diwali oder die Durga Puja, die inzwischen selbstverständlich Teil des städtischen Lebens in Mannheim geworden seien. Besonders prägnant fasste er diese Entwicklung in einem Satz zusammen: „Während Mannheim weiterhin Auszubildende, Studierende und junge Fachkräfte aus Indien anzieht, werden die Verbindungen zwischen unseren Gesellschaften und Volkswirtschaften noch enger werden.“
„Eine Stadt, deren Geschichte von Ingenieurskunst und industriellem Unternehmergeist so vieles von dem widerspiegelt, was Indien und Deutschland als Partner verbindet“
S.E. Ajit Gupte wiederum verstand es, diese regionale Perspektive in einen globalen Zusammenhang einzuordnen. Mannheim, so sagte er, sei eine Stadt, „deren Geschichte von Ingenieurskunst und industriellem Unternehmergeist so vieles von dem widerspiegelt, was Indien und Deutschland als Partner verbindet“. Die Geschichte der Transformation Indiens, erklärte S. E. Gupte weiter, „handelt nicht von einer fernen Chance. Sie handelt von einer gegenwärtigen Realität und einer Zukunft, die unsere beiden Länder gemeinsam gestalten können“.
Besonders hob er hervor, dass sich die Partnerschaft beider Länder zunehmend von einer klassischen Handelsbeziehung zu einer innovations- und technologiegetriebenen Zusammenarbeit entwickle. Breiten Raum nahm dabei das geplante Freihandelsabkommen zwischen Indien und der Europäischen Union ein, das S. E. Gupte – unter Bezugnahme auf die Präsidentin der Europäischen Kommission Ursula von der Leyen – als „Mutter aller Abkommen“ bezeichnete. Dieses werde weit über Zollfragen hinausreichen und neue Maßstäbe für Kooperationen in den Bereichen Technologie, Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Investitionen setzen. Der Botschafter zeichnete dabei das Bild zweier Volkswirtschaften, die sich in ihrer Struktur zunehmend ergänzen: Deutschlands industrielle und technologische Stärke auf der einen Seite, Indiens Dynamik in Digitalisierung, Innovation und Skalierung auf der anderen.
Zugleich sprach der Botschafter offen über die Herausforderungen der deutschen Wirtschaft, insbesondere den Fachkräftemangel in Industrie, IT und Gesundheitswesen. In diesem Zusammenhang betonte er, dass sich Indien daher nicht nur als wirtschaftlicher Partner, sondern zunehmend auch als langfristiger Talent- und Innovationspartner Deutschlands verstehe.
Mit Blick auf Baden-Württemberg und die Metropolregion Rhein-Neckar würdigte S. E. Gupte insbesondere die Stärke des industriellen Mittelstands, der Indien heute immer stärker als strategischen Produktions-, Forschungs- und Zukunftsstandort entdecke. Seine Rede vermittelte damit das Bild einer Partnerschaft, die nicht auf ferne Perspektiven ausgerichtet ist, sondern bereits heute konkrete wirtschaftliche und technologische Realität geworden ist.
Mit dem Eintrag von S. E. Ajit Gupte in das Goldene Buch der Stadt Mannheim fanden diese an diesem Tag vielfach formulierten Gedanken schließlich auch symbolisch ihren Niederschlag – schwarz auf weiß.
Ein spontaner Besuch mit bleibenden Eindrücken
Ein spontaner Besuch S.E. Gupte mit Helmut Augustin im Technik Museum Sinsheim entwickelte sich schnell zu einer faszinierenden Reise durch die Technik- und Luftfahrtgeschichte. Besonders beeindruckend war die große Ausstellung zum Zweiten Weltkrieg mit historischen Militärfahrzeugen, Flugzeugen und zahlreichen Originalexponaten. Die Ausstellung vermittelt eindrucksvoll, wie stark Technik und Krieg miteinander verbunden waren. Vor allem die ausgestellten Jagdflugzeuge wie die Messerschmitt Me-109 oder die Junkers Ju-87 hinterließen einen bleibenden Eindruck.
Der Geschäftsführer der Technikmuseen, Michael Einkörn, konnte den Besuch durch spannende und aufschlussreiche Anekdoten abrunden.
Das absolute Highlight des Museumsbesuchs waren jedoch die beiden Überschallflugzeuge Concorde und Tupolev Tu-144. Das Museum ist weltweit einzigartig, da beide Maschinen dort nebeneinander auf dem Dach des Museums ausgestellt sind und sogar von innen besichtigt werden können. Die Concorde beeindruckte durch ihr elegantes Design und ihre technische Raffinesse, während die Tupolev Tu-144 einen spannenden Einblick in die sowjetische Luftfahrttechnik und den Wettstreit des Kalten Krieges bot.
Neben den Flugzeugen begeisterte das Museum auch mit zahlreichen besonderen Fahrzeugen. Besonders auffällig waren die historischen Rennwagen und Sportwagen, darunter mehrere Ferrari- und Porsche-Modelle, die die Entwicklung des Motorsports eindrucksvoll zeigen. Auch die riesigen amerikanischen Straßenkreuzer und luxuriösen Oldtimer sorgten für Aufmerksamkeit.
Ein weiteres Highlight waren die Militärfahrzeuge und Panzer aus verschiedenen Epochen, die einen direkten Bezug zur WK-II-Ausstellung herstellten. Zusätzlich gab es außergewöhnliche Fahrzeuge wie historische Motorräder, riesige Dampflokomotiven sowie Formel-1-Fahrzeuge zu sehen. Die Vielfalt der Exponate machte den Museumsbesuch abwechslungsreich und spannend.
Insgesamt war der spontane Besuch im Technik Museum Sinsheim ein beeindruckendes Erlebnis. Die Mischung aus Geschichte, Technik, Luftfahrt und außergewöhnlichen Fahrzeugen machte den Ausflug besonders interessant. Für Technik-, Auto- und Luftfahrtfans ist das Museum definitiv einen Besuch wert.
Innovation und Zukunftsforschung: Besuch der Schwarz Gruppe-Projektcampus
Am Mittwoch verlagerte sich der Schwerpunkt des Besuchs noch stärker auf Zukunftstechnologien und industrielle Innovation. Auf dem Schwarz-Projekt-Campus in Bad Friedrichshall standen insbesondere Digitalisierung, künstliche Intelligenz, Halbleitertechnologie und moderne Industrieprozesse im Mittelpunkt. Der Besuch dort machte deutlich, warum Indien für viele deutsche Unternehmen inzwischen nicht nur Markt, sondern strategischer Technologiepartner geworden ist.
Im neuen Campus der Schwarz IT wurde S. E. Gupte von hochrangigen Vertretern der Schwarz Gruppe empfangen. Die Bereichsvorständin für Kommunikation und Nachhaltigkeit der Schwarz Gruppe, Susanne Marell, begrüßte S.E. Gupte im neuen Campus der Schwarz IT in Bad Friedrichshall und stellte die Schwarz Gruppe vor. Sie führte in die Struktur und internationale Ausrichtung der Schwarz Gruppe ein und skizzierte die strategische Bedeutung technologischer Innovationen innerhalb des Konzerns. Ergänzend erläuterte Roland Hehn, Vorstand Personal der Schwarz Corporate Solutions, den Ansatz der Gruppe in den Bereichen Personalgewinnung und Talententwicklung vor dem Hintergrund des demographischen Wandels und des zunehmenden globalen Wettbewerbs um Fachkräfte. Arno Huhn, Managing Director bei der Schwarz IT, rundete das Programm mit Informationen zur Aufstellung der Schwarz IT und ihren Kooperationspartnern ab. Ein unglaublich dichter und umfassender Besuchstermin, der in den eindrucksvollen neuen Räumlichkeiten der Schwarz IT eindrücklich die Innovationskraft und Zukunftsorientierung des Standorts sichtbar machte.
Gerade der Aufenthalt auf dem Innovationscampus verlieh den zuvor diskutierten Themen damit eine konkrete Dimension und spiegelte jene Entwicklung wider, die S. E. Gupte bereits am Vorabend hervorgehoben hatte: Fragen globaler Lieferketten, digitaler Infrastruktur, KI-Anwendungen und industrieller Skalierung wurden nicht abstrakt diskutiert, sondern vor Ort anhand realer Zukunftsprojekte sichtbar. Dies korrespondierte unmittelbar mit den Ausführungen des Botschafters über den „KI-Pakt Indien-Deutschland“, die Zusammenarbeit im Halbleiterbereich und die wachsende Bedeutung gemeinsamer Innovationsökosysteme.
Indien ist angekommen
Der Besuch machte damit deutlich, dass Indien in Mannheim nicht mehr als fernes Gegenüber wahrgenommen wird, sondern längst präsenter Partner jener Gespräche geworden ist, in denen über Technologie, Mittelstand, Wissenschaft und die wirtschaftlichen Linien der Zukunft nachgedacht wird.
















